Netzdienliches Akku-Laden mit eigener PV – pv-strom.ch

Netzdienliches Akku-Laden mit eigener PV – pv-strom.ch
Praxisbericht · Oberurnen GL · April 2026

Was steckt hinter dem Begriff «netzdienlich» – und wie sieht das konkret in einem Einfamilienhaus mit 18 kWp und zwei Speichersystemen aus?

Was ist netzdienliches Laden?

Netzdienlich bedeutet: Der Heimspeicher wird nicht nur für den eigenen Eigenverbrauch optimiert, sondern so gesteuert, dass er gleichzeitig das öffentliche Stromnetz entlastet.

Das Prinzip ist einfach: An sonnigen Mittagen produzieren tausende PV-Anlagen gleichzeitig Strom – mehr als gerade verbraucht wird. Das belastet das lokale Verteilnetz. Wer seinen Speicher so programmiert, dass er Einspeisung in Netzspitzen-Zeiten dämpft und den Strom stattdessen lokal puffert, hilft das Netz zu stabilisieren – ohne dass es ausgebaut werden muss.

Das grosse Problem: Rund 70% aller Schweizer PV-Anlagen haben heute keinerlei intelligente Steuerung. Sie speisen ein, was produziert wird – unkontrolliert. Ob Anlagen mit Speicher besser aufgestellt sind, hängt ganz von der Konfiguration ab. Eine Batterie allein macht eine Anlage noch nicht netzdienlich.

Mein System im Überblick

Ich betreibe in Oberurnen (GL) eine 18 kWp-Anlage mit zwei unabhängigen Speichersystemen:

Speicher 1
Kostal + BYD
11.5 kWh · Eco-Modus · SolarManager gesteuert
Speicher 2
Sofar + Amass
10 kWh · Notstromfähig · Standalone + Ladesperre 07–13 Uhr
PV-Leistung
18 kWp
Tagesmax. heute: 9'604 W
Steuerung
SolarManager
HEMS · Koordination beider Speicher
Wichtig: Obwohl der Sofar/Amass-Speicher sich dank integriertem Smart Meter grundsätzlich selbst regeln kann, ist er trotzdem im SolarManager eingebunden. Ohne diese Koordination würden die beiden Speicher sich gegenseitig entladen oder laden – was den Gesamtnutzen zunichte machen würde. Beide Systeme müssen als Einheit betrachtet werden.

Das Dashboard – 8. April 2026

Das SolarManager-Dashboard zeigt den heutigen Tagesverlauf sehr anschaulich. Die Tagesstatistik bis Abend:

57.2
kWh Solarenergie
40
kWh Eigenverbrauch
17.9
kWh Export
0.5
kWh Netzbezug
SolarManager Dashboard 8. April 2026
SolarManager Dashboard, 8. April 2026 – Tagesverlauf mit Solarleistung, Batterie-Ladezyklen und E-Auto-Laden ab ca. 14 Uhr
Einspeisung ins Netz (satt orange)
Batterie lädt (helles Gelb)
Eigenverbrauch (blau)
🔥 Warum ist der Verbrauch heute so hoch? Die Pelletheizung ist aktuell abgeschaltet – das Haus wird morgens mit Elektroöfen und Wärmepumpen beheizt. Das erklärt den hohen Verbrauch in den frühen Morgenstunden, der im Dashboard als blauer Hintegrund sichtbar ist.

Bis ca. 07:00 Uhr keine Produktion. Ab 08:00 Uhr baut sich die Solarleistung auf. Die grosse orange-gelbe Fläche zeigt die Einspeisung ins Netz – das blasse Hellgelb später im Tag ist die ladende Batterie. Gegen Mittag erreicht die Anlage das Tagesmaximum von 9'604 W. Ab ca. 14:00 Uhr beginnt das E-Auto zu laden – erkennbar am deutlichen Anstieg der blauen Eigenverbrauchs-Fläche. Mit nur 0.5 kWh Netzbezug am ganzen Tag ist das Ergebnis klar: die Strategie funktioniert.

Der Eco-Modus und die Ladeleistung

Der Eco-Modus des SolarManagers ist auf netzdienliches Verhalten ausgelegt. Die Batterie wird morgens zunächst nur auf einen konfigurierten Grenzwert geladen – der Rest der Kapazität bleibt für die Mittagsproduktion reserviert, um Einspeisespitzen zu dämpfen.

SolarManager Eco-Modus Einstellungen
Eco-Modus: Kostal/BYD – aktiv, netzdienlich gesteuert
SolarManager Standard-Modus Einstellungen
Standard/Standalone: Sofar/Amass – Notstrom, selbstgeregelt, im SolarManager koordiniert

Meine konkreten Einstellungen für die BYD:

ParameterWertZweck
Minimale Entladegrenze10 %maximale Flexibilität
Morgendliche Ladegrenze30 %Kapazität für Mittagsüberschuss freihalten
Maximale Ladegrenze100 %maximale Flexibilität
Max. Ladeleistung2'500–3'000 WSpitzen länger abdecken
💡 Unterschätzter Hebel: die Ladeleistung drosseln? Mit 5 kW Ladeleistung wäre die BYD bereits um 12:00 Uhr voll – ab da fliesst der gesamte Überschuss ungebremst ins Netz. Mit gedrosselten 2'500–3'000 W lädt sie langsamer, deckt die Einspeisespitze über einen längeren Zeitraum ab und entlastet das Netz effektiver, das gleiche passiert mit der Sofar/Amass Batterie ab 13Uhr. Im Sommer ist ohnehin genug Überschuss da, um den Speicher trotzdem täglich vollzuladen.

Lohnt es sich finanziell?

Ehrliche Antwort: Für die meisten Haushalte aktuell nicht direkt. Die Einspeisevergütung in der Schweiz ist fix – sie ändert sich nicht danach, ob man zu einem günstigen oder ungünstigen Zeitpunkt ins Netz einspeist. Wer also hofft, durch netzdienliches Laden mehr Geld zu verdienen, wird enttäuscht.

Der finanzielle Vorteil eines Speichers liegt im erhöhten Eigenverbrauch – weniger teurer Netzstrom beziehen. Aber das ist unabhängig davon, ob der Speicher «netzdienlich» oder nur «eigenverbrauchsoptimiert» betrieben wird.

⚠️ Ab 2026: Rückerstattung des Netznutzungsentgelts möglich – aber nur für Strom, der aus dem Netz bezogen, zwischengespeichert und wieder eingespeist wird. Dafür braucht man einen separaten Zähler für den Speicher. Bei kleinen Heimspeichern dürften die Installationskosten dieses Zählers den finanziellen Nutzen über Jahre hinaus übersteigen. Für die meisten Privatanlagen ist das derzeit kein rentables Modell.

Fazit

Netzdienliches Laden ist grundsätzlich mit jedem Heimspeicher möglich – ob mit einem oder mehreren Akkus. Entscheidend ist nicht die Anzahl Speicher, sondern die bewusste Konfiguration: Eco-Modus aktivieren, Ladeleistung drosseln, Ladezeiten anpassen. Wer das umsetzt, leistet einen echten Beitrag zur Netzstabilität.

⚠️ Die Grenzen im Sommer: Ab Mai, respektive wenn man nicht mehr mit den Akkus heizt wie in meinem Fall, werden die Akkus morgens noch mit 70–80% geladen sein – die Nacht reicht einfach nicht, um sie zu leeren. Dann ist kaum Kapazität frei, um den Mittagsüberschuss zu puffern, und die Einspeisung steigt unkontrolliert. Netzdienliches Laden funktioniert also vor allem in der Übergangszeit – im Hochsommer stösst die Strategie an natürliche Grenzen. Das gehört zur Wahrheit dazu.

Finanziell lohnt es sich heute noch kaum direkt – Ob und wann konkrete finanzielle Anreize für Privatanlagen kommen, ist heute noch offen.

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Ich berate Hausbesitzer in der Ostschweiz rund um PV, Speicher und intelligente Steuerung.

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