65 % mehr Solarstrom fürs Nachbarauto – dank einer simplen Erinnerung
Wenn im Sommer die Sonne scheint und mein Akku längst voll ist, geht der Überschuss normalerweise ins Netz. Seit zwei Jahren mache ich mit einem Teil davon etwas anderes: Wenn Strom übrig ist, lädt die Nachbarin ihr Elektroauto mit meinem Überschuss.
Ganz ohne teure Technik und ohne Energiegemeinschaft mit Anmeldung und Gebühren – nur mit einer kostenlosen Push-Nachricht über die App ntfy, seit Mitte Februar 2026: «Sonne da – Auto laden?»
Die Zahlen: 2025 gegen 2026
| Jahr | Geladen | davon Solar | ab Netz |
|---|---|---|---|
| 2025 (ohne ntfy) | 342.8 kWh | 100 % | 0.8 kWh |
| 2026 (mit ntfy) | 567.2 kWh | 100 % | 0.8 kWh |
Übers ganze Jahr 2026 sind es schon rund 625 kWh, vier Monate noch offen.
Was der Push bringt
Ntfy macht das Laden nicht «grüner» – der dafür zuständige MyStrom Switch ist im SolarManager auf «PV-Überschuss» gestellt und zieht darum praktisch nur Sonnenstrom (nur selten stelle ich auf «on» – dann kommt etwas aus meinem Solar-Akku, im Sommer vernachlässigbar). Der Push macht das Laden häufiger.
Eine eingespeiste Kilowattstunde bringt mir 7.5 Rappen – je nach Versorger und Quartal kann die Vergütung auch höher liegen. Dieselbe kWh spart der Nachbarin aber rund 30 Rappen Netzbezug. Lokal genutzt ist sie also ein Mehrfaches wert – bei meinem Tarif etwa viermal so viel. Für die 567 kWh von April bis August sind das rund 43 Franken, die ich nicht als Einspeisung sehe – gegenüber rund 170 Franken, die die Nachbarin spart.
Und was verdiene ich daran? Nichts.
Kein Rappen fliesst. Die Nachbarn fragen zwar regelmässig, was sie mir schulden. Meine Antwort ist immer dieselbe: «Ihr helft mir mal da und dort.» Tauschlogik statt Tarif.
Und nebenbei entsteht etwas, das auf keiner Vergütungstabelle steht – eine gute Nachbarschaft. Nachbaubar mit fast nichts – vor allem mit der kostenlosen ntfy-App. Wie ich die Push eingerichtet habe, steht in einem früheren Beitrag.
Und wenn man das auf eine LEG (Lokale Elektrizitätsgemeinschaft) überträgt? Meine Lösung ist im Grunde die Handarbeit-Version davon – nur eben für einen einzigen Nachbarn. Für mehrere gleichzeitig wäre sie nicht gemacht. Eine LEG kann das: Dort wird der Solarstrom nicht physisch weitergegeben, sondern rechnerisch verteilt. Ein Smart Meter misst alle 15 Minuten, wer wie viel bezieht, und der Sonnenstrom wird fair nach Verbrauch auf alle aufgeteilt – so bekommt jeder seinen Anteil.
Was eine LEG aber nicht kann: dafür sorgen, dass überhaupt jemand Strom braucht, wenn die Sonne scheint. Diese Koordination bliebe Handarbeit – einfach eine Nachricht an alle statt nur an die Nachbarin: «Seit 20 Minuten geht Strom ins Netz – wer kann ihn brauchen?» Ob Auto, Boiler oder Waschmaschine ist egal, Hauptsache der Überschuss wird lokal verbraucht statt eingespeist.
Gemacht habe ich die LEG trotzdem nicht: Mein Netzbetreiber verlangt dafür einmalige und laufende Gebühren, die sich für so eine kleine Runde nicht lohnen.
Mehr Beiträge: pv-strom.blogspot.com
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